Das tägliche Putzen ist mehr als Kosmetik: Es ist deine wichtigste Gesundheitskontrolle am Pferd. Durch das gründliche Durcharbeiten des Fells, der Hufe und der sensiblen Körperstellen erkennst du Verletzungen, Scheuerstellen, Parasiten oder Verhärtungen frühzeitig. Gleichzeitig stärkst du die Bindung zu deinem Pferd und entspannst es vor dem Reiten. Diese Routine sollte täglich stattfinden — idealerweise vor dem Anreiten.
Vorbereitung: Sicher anbinden
1. Pferd anbinden Binde dein Pferd mit einem Panikhaken (auch Sprengkarabiner genannt) oder einer Fluchtkette an. Der Panikhaken ermöglicht es dem Pferd, sich im Notfall selbst freizumachen und beugt Paniken vor. Der Ort sollte ruhig sein, ohne Ablenkung und mit guter Beleuchtung.
2. Material bereitstellen Lege deine Putzutensilien in Reichweite: Striegel, Kardätsche, Wurzelbürste, weiches Tuch für Gesicht und ein Hufauskratzer. So sparst du Zeit und kannst konzentriert arbeiten.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
3. Mit dem Striegel beginnen Beginne mit einem mittelfesten Striegel auf den großen Muskelgruppen (Hals, Schulter, Rippen, Kruppe). Arbeite in kreisenden Bewegungen, immer in Fellrichtung. Der Striegel löst Schweiß, Staub und lose Haare. Meide dabei die dünnen Beine und den Kopf — hier ist die Haut zu empfindlich.
4. Kardätsche für die Feinheit Nutze die Kardätsche (feinere Bürste) ebenfalls in Fellrichtung, um restliche Verschmutzungen zu entfernen und das Fell zu glätten. Das Ergebnis sollte glänzend und samtweich sein. Diese Bürste ist auch für Kopf und Beine geeignet — hier aber sanfter arbeiten.
5. Mähne und Schweif verlesen Teile die Mähne Strähne für Strähne mit den Fingern oder einer groben Bürste auf. Entferne Knoten und Verschmutzungen vorsichtig. Verfahre genauso mit dem Schweif, um Verfilzungen zu vermeiden und eine lockere, schöne Struktur zu bewahren.
6. Hufe auskratzen und prüfen Hebe nacheinander jedes Bein an und kratze mit dem Hufauskratzer von hinten nach vorne aus. Entferne Schlamm, Steine und Kot gründlich. Kontrolliere dabei: Sind die Hufflächen feucht und gesund? Gibt es Risse, Faulstellen oder einen unangenehmen Geruch? Abnormales deutet auf ein Huf-Problem hin.
7. Gesicht und Nüstern sanft reinigen Nimm ein weiches, leicht angefeuchtetes Tuch und wische Augen, Nüstern und die Unterlippe. Das Pferd ist am Kopf empfindlich — arbeite langsam und ruhig. Dies ist eine gute Gelegenheit, die Augen auf Rötung oder Ausfluss zu checken.
8. Ganzkörper-Kontrolle während des Putzens Während du putzt, fahre mit den Händen über den gesamten Körper: Gib es Schwellungen, Wunden, Schorfstellen oder ungewöhnliche Wärme? Überprüfe auch Sattelbereich, Gurt-Lage und Bereiche unter der Mähne, wo sich Probleme verstecken können.
Tipps und Hinweise
Tipp: Rituale schaffen Ruhe Pferde lieben Routine. Wenn du immer die gleiche Reihenfolge einhältst und ruhig arbeitest, wird dein Pferd das Putzen als angenehm wahrnehmen und zuverlässig stillstehen.
Tipp: Zeit für Bindung nutzen Das Putzen ist eine ideale Gelegenheit, dein Pferd zu beobachten, mit ihm zu sprechen und gemeinsam zur Ruhe zu kommen. Ein entspanntes Pferd signalisiert durch hängende Unterlippe und ruhige Ohren seine Zufriedenheit.
Achtung: Verletzungen ernst nehmen Findet du während der Kontrolle eine Wunde, ein Ödem oder eine Lahmheit, die neu ist, kontaktiere deinen Tierarzt. Kleine Probleme können sich schnell verschlimmern, wenn sie unbehandelt bleiben.
Achtung: Hufe erfordern Aufmerksamkeit Verfärbungen, Faulstellen (schwarze Areale in der Huffläche) oder ein fauliger Geruch sind ein Zeichen für Hufprobleme. Diese gehören in die Hände eines Hufbearbeiters oder Tierarztes, nicht in Selbstbehandlung.