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Bildmotiv: Chinchilla

Chinchilla

Das Chinchilla trägt das dichteste Fell aller Säugetiere — bis zu 20.000 Haare wachsen auf einem einzigen Quadratzentimeter. Genau dieses Wunderfell wurde dem kleinen Nager aus den südamerikanischen Anden fast zum Verhängnis, denn es machte ihn zum begehrten Pelztier. Heute lebt das Chinchilla als Heimtier bei uns — und stellt hohe Ansprüche: Es ist nachtaktiv, wird bis zu zwanzig Jahre alt, braucht unbedingt Artgenossen und ein tägliches Bad im feinen Sand. Wer das leisten kann, bekommt ein faszinierendes, flinkes und langlebiges Tier.

Foto: Trurl66 via Wikimedia Commons, Public domain

Stammdaten

  • Wissenschaftlicher Name Chinchilla lanigera (Langschwanz-Chinchilla)
  • Familie Chinchillas (Chinchillidae), Nagetiere
  • Größe (Körperlänge) 22-38 cm plus Schwanz
  • Gewicht 400-600 g
  • Lebenserwartung 15-20 Jahre
  • Sozialverhalten Gruppentier, niemals einzeln halten
  • Ernährung reiner Pflanzenfresser (Heu-Basis)
  • Aktivität dämmerungs- und nachtaktiv
  • Geschlechtsreife etwa ab dem 8. Monat
  • Herkunft Hochanden Südamerikas (bis über 4.000 m Höhe)

Im Leben mit Chinchilla

Jungtier & erste Wochen

Chinchillas sind Nestflüchter: Nach einer für Nager ungewöhnlich langen Tragzeit von rund 111 Tagen kommen meist ein bis drei Junge voll behaart, mit offenen Augen und lauffähig zur Welt. Schon nach wenigen Stunden wuseln sie durchs Gehege. Gesäugt werden sie einige Wochen, bevor sie selbstständig fressen.

Ein junges Chinchilla sollte frühestens mit acht bis zwölf Wochen von der Mutter getrennt umziehen — und niemals allein. Weil Chinchillas sehr alt werden, ist die Anschaffung eine Entscheidung für viele Jahre. Junge Tiere sind besonders neugierig und lernen ihre Umgebung durch Springen und Klettern kennen. Geduld ist gefragt: Chinchillas werden erst mit der Zeit und ohne Zwang zutraulich.

Haltung & Gehege

Chinchillas sind gesellige Tiere und dürfen nie allein leben — mindestens zwei Tiere gehören zusammen, am besten gleichgeschlechtlich oder als kastrierte Gruppe. Ein einzelnes Chinchilla vereinsamt trotz bester menschlicher Betreuung.

Weil Chinchillas hervorragende Springer und Kletterer sind, muss das Gehege vor allem hoch sein. Als Orientierung für ein Paar gelten mindestens 150 cm Höhe und rund 1 m² Grundfläche, mehr ist immer besser. Etagen aus unbehandeltem Holz, Sitzbretter, Äste, Häuschen und Klettermöglichkeiten machen die Voliere spannend. Ganz wichtig ist ein kühler, zugfreier Standort: Ihr dichtes Fell macht Chinchillas extrem hitzeempfindlich, Temperaturen über etwa 25 Grad können lebensgefährlich werden. Und: Ein Sandbad gehört zur Grundausstattung.

Ernährung

Chinchillas sind reine Pflanzenfresser mit einem sehr empfindlichen Verdauungssystem, das auf karge Bergkost ausgelegt ist. Die absolute Grundlage ist hochwertiges, staubfreies Heu, das rund um die Uhr zur Verfügung stehen muss — es hält die Verdauung in Gang und nutzt die Zähne ab. Dazu kommt eine kleine Menge spezielles Chinchilla-Pellet.

Frischfutter, Obst und zuckerhaltige Leckereien vertragen Chinchillas dagegen schlecht; zu viel davon führt schnell zu Verdauungsstörungen und Aufgasungen, die lebensbedrohlich sein können. Getrocknete Kräuter und unbehandelte Äste zum Nagen sind die bessere Belohnung. Frisches Wasser muss stets verfügbar sein. Bei diesem Tier gilt mehr als bei jedem anderen: karg, faserreich und konstant füttern.

Gesundheit & Tierarzt

Ein gesundes Chinchilla ist flink, hat ein dichtes, glänzendes Fell, klare Augen und frisst regelmäßig Heu. Weil sie Beutetiere sind, verbergen sie Krankheiten lange — plötzliche Fressunlust, Speicheln, weicher Kot oder ein aufgeblähter Bauch sind ernste Notfälle. Das empfindliche Verdauungssystem duldet keinen Aufschub.

Ein Dauerthema sind die Zähne: Chinchillas haben lebenslang nachwachsende Backen- und Schneidezähne. Ohne ausreichenden Abrieb durch Heu entstehen schmerzhafte Zahnfehlstellungen, eine der häufigsten Erkrankungen überhaupt. Auch Hitzschlag und Pilzerkrankungen der Haut kommen vor. Suche im Krankheitsfall eine Praxis mit Erfahrung bei exotischen Kleinsäugern auf — und wiege deine Tiere regelmäßig, um Gewichtsverlust früh zu erkennen.

Beschäftigung & Sandbad

Das tägliche Sandbad ist für Chinchillas kein Luxus, sondern lebenswichtige Fellpflege. In feinem Spezialsand wälzen sie sich ausgiebig und befreien ihr dichtes Fell von überschüssigem Fett und Schmutz — Wasserbäder dagegen sind tabu, weil das Fell nicht richtig trocknet. Stell das Sandbad täglich für eine begrenzte Zeit ins Gehege.

Ansonsten sind Chinchillas quirlige Kletterakrobaten, die Bewegung und Abwechslung brauchen. Wechselnde Sitzbretter, neue Äste, Tunnel und verstecktes Heu halten sie fit. Freilauf in einem chinchillasicheren, kühlen Raum ist möglich, muss aber gut vorbereitet sein: keine Kabel, keine giftigen Pflanzen, keine erreichbaren Möbelkanten zum Annagen. Und immer zur richtigen Zeit — abends, wenn die Tiere von selbst munter werden.

Aktivitäten mit Kindern

Chinchillas sehen aus wie lebendige Kuscheltiere, sind es aber nicht. Sie mögen es nicht, festgehalten oder herumgetragen zu werden, und sie sind nachtaktiv — also gerade dann munter, wenn Kinder schlafen gehen. Für kleine Kinder eignen sie sich nicht. Ältere, geduldige Kinder aber können viel Freude an diesen flinken Tieren haben, wenn sie lernen, sie zu beobachten statt zu bespielen.

Schön sind gemeinsame Abendrituale: dem Chinchilla beim Sandbad zusehen, wie es sich vergnügt wälzt, frisches Heu und neue Äste ins Gehege bringen oder ein Suchspiel mit versteckten Kräutern bauen. Die goldene Regel: Das Chinchilla kommt zu uns, nicht wir zu ihm. Weil diese Tiere zwanzig Jahre alt werden können, ist es außerdem eine schöne Aufgabe für Kinder, echte langfristige Verantwortung zu üben — immer gemeinsam mit den Eltern.

chinchillakinderfamilie

Mit anderen Tieren

Chinchillas sind gesellige Gruppentiere und brauchen unbedingt Artgenossen — kein anderes Haustier und kein Mensch kann ein zweites Chinchilla ersetzen. Am wohlsten fühlen sie sich in einer harmonischen Gruppe gleichgeschlechtlicher Tiere oder in einer kastrierten Konstellation. Neue Tiere werden behutsam und über Gitterkontakt vergesellschaftet.

Andere Kleintierarten wie Kaninchen, Meerschweinchen oder Degus sind keine passende Gesellschaft — sie haben andere Bedürfnisse, andere Futteransprüche und andere Aktivzeiten. Gegenüber Hunden und Katzen bleibt das Chinchilla trotz seiner Flinkheit ein Beutetier und gehört sicher getrennt gehalten. Sein kühler, ruhiger Standort sollte für andere Haustiere ohnehin nicht zugänglich sein.

Quellen (3)