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Bildmotiv: Frettchen

Frettchen

Das Frettchen ist kein Nagetier, sondern ein echter kleiner Raubtier-Verwandter aus der Familie der Marder — die domestizierte Form des Iltisses, seit über 2.000 Jahren an der Seite des Menschen. Es ist ein Tier der Gegensätze: Bis zu achtzehn Stunden am Tag schläft es tief und fest, doch in seinen Wachphasen verwandelt es sich in einen wieselflinken Wirbelwind, der hüpft, tobt und alles erkundet. Frettchen sind verschmust, gesellig und clever — aber auch anspruchsvoll: Sie brauchen Artgenossen, viel Platz, Fleisch auf dem Speiseplan und Menschen, die ihren Bewegungsdrang ernst nehmen.

Foto: Aurélien Mora via Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Stammdaten

  • Wissenschaftlicher Name Mustela putorius furo
  • Familie Marder (Mustelidae), Raubtiere
  • Größe (Körperlänge) 30-50 cm plus Schwanz
  • Gewicht 0,5-2 kg (Rüden deutlich schwerer)
  • Lebenserwartung 6-10 Jahre
  • Sozialverhalten Gruppentier, nicht einzeln halten
  • Ernährung reiner Fleischfresser (obligater Karnivore)
  • Aktivität dämmerungsaktiv, schläft bis zu 18 Stunden täglich
  • Geschlechtsreife etwa ab dem 9. Monat
  • Abstammung domestizierter Iltis, seit über 2.000 Jahren

Im Leben mit Frettchen

Jungtier & erste Wochen

Junge Frettchen — die Welpen heißen — kommen nach rund 42 Tagen Tragzeit blind und winzig zur Welt, meist fünf bis zehn pro Wurf. Sie entwickeln sich zügig, öffnen nach etwa einem Monat die Augen und beginnen dann, ihre Welt tobend zu erobern. Frettchen-Welpen sind für ihr wildes, übermütiges Spielen bekannt.

Ein junges Frettchen sollte frühestens mit etwa acht Wochen einziehen — und nie allein, denn Frettchen brauchen Artgenossen. In der Jugend lernen sie das richtige Maß beim Beißen; hier ist konsequente, sanfte Erziehung wichtig, denn was der Welpe jetzt an Beißhemmung lernt, prägt sein ganzes Leben. Frühes, geduldiges Handling macht aus dem wilden kleinen Räuber ein zutrauliches, anhängliches Tier.

Haltung & Gehege

Frettchen sind ausgesprochen soziale Tiere und dürfen nicht einzeln gehalten werden — mindestens zwei gehören zusammen. Damit es keinen unkontrollierten Nachwuchs und keinen dauerhaften Hormonstress gibt, werden die Tiere in der Regel kastriert. Wichtig ist außerdem viel Platz: Ein kleiner Käfig reicht niemals aus.

Frettchen brauchen ein großes, mehrstöckiges Gehege mit Hängematten, Röhren, Häuschen und Versteckmöglichkeiten — und darüber hinaus täglich mehrere Stunden Freilauf in einer gesicherten Wohnung oder einem frettchensicheren Zimmer. Als reine Käfigtiere sind sie nicht zu halten. Ihr Bewegungsdrang und ihre Neugier sind enorm; sie zwängen sich durch die kleinste Lücke und buddeln alles auf. Ein sicher gestalteter, abwechslungsreicher Lebensraum ist deshalb Grundvoraussetzung.

Ernährung

Anders als die meisten Heimtiere ist das Frettchen ein reiner Fleischfresser — ein obligater Karnivore mit einem kurzen, schnellen Verdauungstrakt, der auf tierisches Eiweiß und Fett ausgelegt ist. Pflanzliche Kost, Getreide und Zucker kann es kaum verwerten; sie machen sogar krank. Auf den Speiseplan gehören hochwertiges Frettchen- oder Katzenfutter mit hohem Fleischanteil oder eine fachkundig zusammengestellte Frischfleisch-Fütterung.

Weil der Verdauungstrakt so schnell arbeitet, fressen Frettchen viele kleine Portionen über den Tag verteilt — Futter sollte deshalb dauerhaft verfügbar sein. Finger weg von Obst, Gemüse, Milchprodukten und Süßigkeiten: Sie können zu ernsten Verdauungsproblemen führen. Frisches Wasser muss immer bereitstehen. Eine falsche, zu kohlenhydratreiche Ernährung ist eine der häufigsten Ursachen für Krankheiten beim Frettchen.

Gesundheit & Tierarzt

Ein gesundes Frettchen ist in seinen Wachphasen quicklebendig, hat glänzendes Fell, klare Augen und einen guten Appetit. Zur Vorsorge gehören Impfungen — Frettchen werden unter anderem gegen Staupe und Tollwut geimpft, für die sie empfänglich sind — sowie regelmäßige Gesundheitschecks. Ausgewachsene Tiere haben einen typischen moschusartigen Eigengeruch, der zur Art gehört.

Frettchen neigen im mittleren und höheren Alter zu bestimmten Erkrankungen, darunter Nebennieren- und Bauchspeicheldrüsen-Erkrankungen sowie Tumore. Warnzeichen sind Fellverlust, Abmagern, Schwäche in den Hinterbeinen oder Teilnahmslosigkeit. Weil Frettchen spezielle Tiere sind, solltest du von Anfang an eine Tierarztpraxis mit Frettchen-Erfahrung wählen. Regelmäßige Kontrollen helfen, die typischen Alterskrankheiten früh zu erkennen.

Beschäftigung & Auslauf

Wenn ein Frettchen wach ist, kennt es nur ein Programm: spielen, toben, erkunden. Der berühmte „Frettchen-Kriegstanz" — wildes Hüpfen mit aufgeplustertem Schwanz — ist reiner Übermut. Diesen Bewegungsdrang müssen Halter ernst nehmen: Frettchen brauchen jeden Tag mehrere Stunden Auslauf und Beschäftigung außerhalb des Geheges.

Tunnel, Röhren, Bällebäder, Buddelkisten und Verstecke sind bei Frettchen besonders beliebt, denn sie lieben es, sich durch enge Gänge zu zwängen. Sie lernen sogar kleine Kunststücke und können mit Geduld ans Geschirr gewöhnt werden. Wichtig beim Freilauf: frettchensicher heißt wirklich lückenlos — jede Ritze wird erkundet, jedes lose Teil wird zum Spielzeug oder verschluckt. Aufsicht ist deshalb Pflicht.

Aktivitäten mit Kindern

Frettchen sind verspielt und anhänglich, aber kein Anfängertier und für kleine Kinder ungeeignet. Sie spielen ruppig, können in der Aufregung zwacken und mögen es nicht, festgehalten zu werden. Für ältere, verständige Kinder, die ihre Lebhaftigkeit respektieren, können sie dagegen faszinierende Spielgefährten sein — immer unter Begleitung Erwachsener.

Am meisten Spaß machen gemeinsame Toberunden im gesicherten Raum: dem Frettchen Tunnel und Röhren aufbauen, ein Bällebad oder eine Buddelkiste anbieten, kleine Verstecke mit Leckerlis gestalten oder beim wilden Kriegstanz zusehen. Kinder sollten lernen, die langen Schlafphasen des Frettchens zu achten und es nie aus dem Tiefschlaf zu reißen. Wer die wachen Stunden gemeinsam nutzt, erlebt ein Tier voller Übermut und Neugier.

frettchenkinderfamilie

Mit anderen Tieren

Frettchen sind gesellige Rudeltiere und fühlen sich in der Gruppe am wohlsten — mindestens ein Artgenosse ist Pflicht, kein Mensch kann diese Gesellschaft ersetzen. In einer harmonischen Gruppe kuscheln, spielen und schlafen Frettchen eng zusammen. Neue Tiere werden behutsam vergesellschaftet.

Ganz anders ist das Verhältnis zu Kleintieren: Als Fleischfresser und Nachfahre des Iltisses hat das Frettchen einen starken Beutetrieb. Kaninchen, Meerschweinchen, Nager, Vögel und Reptilien sind für Frettchen Beute und müssen strikt und sicher getrennt gehalten werden — auch das brave Frettchen folgt hier seinem Instinkt. Mit Hunden und Katzen ist ein Zusammenleben in Einzelfällen möglich, hängt aber stark von den einzelnen Tieren ab und muss sehr vorsichtig und immer überwacht angebahnt werden.

Quellen (3)