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Bildmotiv: Meerschweinchen

Meerschweinchen

Kein Schwein und nicht vom Meer: Das Meerschweinchen ist ein Nagetier aus den südamerikanischen Anden, das die Seefahrer im 16. Jahrhundert „über das Meer" nach Europa brachten. Seit Jahrtausenden lebt es an der Seite des Menschen — und hat sich dabei eines bewahrt: Es ist und bleibt ein Rudeltier, das die Nähe seiner Artgenossen braucht wie Futter und Wasser. Wer Meerschweinchen quieken, purren und „popcornen" sieht, versteht schnell, warum sie so viele Fans haben.

Foto: JaPe2007 via Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Stammdaten

  • Wissenschaftlicher Name Cavia porcellus
  • Familie Meerschweinchen (Caviidae), Nagetiere
  • Größe (Körperlänge) 20-35 cm
  • Gewicht Weibchen 700-1.100 g, Böcke 1.000-1.400 g
  • Lebenserwartung 6-8 Jahre (Ausnahmen bis 10)
  • Sozialverhalten Gruppentier — mindestens zu zweit
  • Ernährung Pflanzenfresser, braucht Vitamin C aus dem Futter
  • Domestizierung vor 3.000-6.000 Jahren in den Anden Südamerikas
  • Geschlechtsreife sehr früh — Böckchen ab ca. 3-4 Wochen
  • Aktivitätszeit tagaktiv mit vielen kurzen Ruhephasen

Im Leben mit Meerschweinchen

Jungtier & Einzug

Meerschweinchen-Babys sind kleine Überflieger: Sie kommen fertig behaart, mit offenen Augen und Zähnen zur Welt und knabbern schon nach wenigen Tagen am Grünfutter. Trotzdem brauchen sie Muttermilch und Familienanschluss — vor der vierten bis fünften Lebenswoche wird kein Jungtier abgegeben. Achtung bei der Geschlechtertrennung: Böckchen können schon mit drei bis vier Wochen zeugungsfähig sein.

Neu eingezogene Meerschweinchen brauchen vor allem eins: Deckung. Häuschen mit zwei Ausgängen, Heuberge, Ruhe. Ein Meerschweinchen, das sich versteckt, ist nicht beleidigt, sondern vorsichtig — mit Futter und ruhiger Routine kommt die Neugier von ganz allein.

Haltung & Platz

Einzelhaltung ist für Meerschweinchen keine Option — in der Schweiz ist sie sogar gesetzlich verboten, und das aus gutem Grund: Ohne Artgenossen verstummt ein Meerschweinchen regelrecht. Bewährt sind ein kastrierter Bock mit zwei oder mehr Weibchen oder eine reine Kastraten-Gruppe.

Als Faustregel für den Platz gelten mindestens 0,5 Quadratmeter pro Tier, besser mehr — dauerhaft zugänglich, nicht als „Auslauf auf Termin". Ein Eigenbau oder Gehege schlägt jeden Zoohandel-Käfig. Wichtig sind Unterschlüpfe mit mehreren Ausgängen, Heu-Ecken und rutschfester Boden. Außenhaltung ist ganzjährig möglich, wenn die Gruppe groß genug ist, das Gehege raubtiersicher und die Schutzhütte trocken, windgeschützt und gut isoliert.

Ernährung

Meerschweinchen teilen eine Besonderheit mit uns Menschen: Ihr Körper kann kein Vitamin C selbst bilden. Es muss täglich über das Futter kommen — Paprika, Fenchel, frische Kräuter wie Petersilie sind zuverlässige Lieferanten. Fehlt Vitamin C dauerhaft, drohen Skorbut-ähnliche Symptome.

Die Basis ist wie beim Kaninchen: Heu, rund um die Uhr, niemals leer. Der Verdauungstrakt ist auf ständigen Nachschub angewiesen — längere Fresspausen sind gefährlich. Dazu kommen täglich frisches Gemüse und Wiesengrün. Getreidehaltiges Fertigfutter, Drops und Knabberstangen gehören nicht in den Napf: Sie machen dick und ruinieren die ständig nachwachsenden Zähne. Frisches Wasser steht immer bereit, auch wenn viele Tiere bei guter Frischfütterung wenig trinken.

Gesundheit & Tierarzt

Meerschweinchen sind Meister im Verbergen: Als Beutetiere zeigen sie Schwäche erst, wenn es fast zu spät ist. Deshalb ist der wichtigste Gesundheits-Check der tägliche Blick — frisst jedes Tier mit? Wiegt es stabil? Eine Küchenwaage und ein wöchentlicher Wiegetermin entdecken Probleme früher als jedes Beobachten.

Häufige Baustellen sind die lebenslang wachsenden Zähne, Hautpilz und Milben, Blasensteine und bei älteren Weibchen Eierstockzysten. Ein Meerschweinchen, das 24 Stunden nicht frisst, ist ein Notfall — Anfüttern und sofort in eine kleintierkundige Praxis. Anders als Kaninchen brauchen Meerschweinchen keine Impfungen, wohl aber einen Tierarzt, der sich mit ihnen auskennt.

Beschäftigung

Ein glückliches Meerschweinchen sieht man: Es hoppelt mit Luftsprüngen durchs Gehege — das berühmte „Popcornen". Damit es dazu kommt, braucht der Alltag Abwechslung: Tunnel und Brücken, Heu in Bergen zum Durchwühlen, Futter, das gesucht werden darf, Zweige von ungespritzten Obstbäumen zum Benagen.

Meerschweinchen sind zudem echte Plaudertaschen: Quieken beim Kühlschrank-Geräusch, Gurren beim Imponieren, leises Purren beim Entspannen. Wer die Laute deuten lernt, versteht seine Gruppe — und merkt schnell, dass das vermeintlich langweilige „Sitztier" ein fein organisiertes Sozialleben führt.

Aktivitäten mit Kindern

Meerschweinchen gelten als perfekte Kindertiere — dabei sind sie vor allem perfekte Beobachtungstiere. Hochheben und Herumtragen bedeutet für sie Stress, auch wenn sie still halten: Stillhalten ist bei Beutetieren eine Schreckstarre, kein Genießen. Die goldene Regel für Kinder: Wir kommen zum Meerschweinchen auf den Boden, nicht das Meerschweinchen auf den Arm.

Gemeinsam macht trotzdem vieles Freude: Futter-Parcours bauen, Kräuter für die Gruppe sammeln, die verschiedenen Laute erkennen und benennen, Häuschen aus Pappe basteln, beim abendlichen Frischfutter die Rangordnung beobachten. Die Verantwortung für Pflege und Gesundheit tragen die Erwachsenen — sechs bis acht Jahre Lebenszeit sind länger als jede Grundschulzeit.

meerschweinchenkinderfamilie

Mit anderen Tieren

Der einzige richtige Partner für ein Meerschweinchen ist ein anderes Meerschweinchen. Die vielzitierte Kombination mit dem Kaninchen ersetzt keinen Artgenossen: Beide sprechen verschiedene Körpersprachen, was beim Kaninchen freundliches Rammeln zur Rangklärung ist, ist für das kleinere Meerschweinchen schlicht Bedrängnis. Wenn beide Arten zusammenleben, dann nur zusätzlich zur jeweils eigenen Gruppe und mit Rückzugsbereichen, in die nur die Meerschweinchen passen.

Hunde und Katzen bleiben Raubtiere — für ein Meerschweinchen ist schon deren Geruch und Blick purer Stress. Getrennte Zimmer und niemals unbeaufsichtigter Kontakt sind selbstverständlich. Neue Meerschweinchen vergesellschaftet man auf neutralem Boden mit viel Platz und Deckung; Gequieke und Imponier-Gehabe gehören dazu.

Quellen (3)