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Bildmotiv: Hauspferd

Pferd

Vor rund 5.000 Jahren hat der Mensch das Pferd domestiziert — vermutlich in den Steppen Asiens. Seitdem hat es ihn überall hingetragen, sein Land gepflügt, seine Lasten gezogen, seine Kriege geführt. Heute steht in Deutschland gut eine Million Pferde, die meisten als Sport- und Freizeitpartner. Anders als Hund und Katze leben Pferde fast nie als klassische "Haustiere" im engsten Sinn — sie brauchen Stall, Weide, Herde. Viele Kinder erleben Pferde deshalb nicht als Besitzer, sondern über Reitschulen, Ponyhöfe und Reitbeteiligungen. Wer einmal die warme Schnauze eines Pferdes in der Hand gehabt hat, vergisst das nicht.

Foto: unbekannt via Wikimedia Commons, CC

Stammdaten

  • Wissenschaftlicher Name Equus ferus caballus
  • Familie Pferde (Equidae), Säugetiere
  • Größe (Stockmaß) 65-200 cm, je nach Rasse
  • Pony-Grenze unter 1,48 m Stockmaß
  • Gewicht 90-1200 kg, je nach Rasse
  • Lebenserwartung 20-30 Jahre, manche Ponys bis 50
  • Sozialverhalten Herdentier, strikt
  • Ernährung Pflanzenfresser (Heu, Gras, Hafer)
  • Tragzeit ca. 11 Monate
  • Wurfgröße 1 Fohlen (Zwillinge selten)
  • Geschlechtsreife 12-24 Monate
  • Ausgewachsen mit 5-6 Jahren
  • Domestizierung vor ca. 5.000 Jahren in Asien
  • Verbreitung in Deutschland ca. 1,25 Millionen

Im Leben mit Pferd

Fohlen & junge Jahre

Ein Fohlen kommt nach gut elf Monaten Tragzeit zur Welt — meistens im Frühjahr, meistens in der Nacht, fast immer ohne menschliche Hilfe. Schon nach ein bis zwei Stunden steht das neue Pferd auf eigenen Beinen, kurz darauf läuft es seiner Mutter hinterher. Die ersten vier bis sechs Monate sind Saugzeit, mit etwa einem halben Jahr ist das Fohlen abgesetzt und beginnt, in einer Jungpferde- Herde zu lernen, was ein Pferd unter Pferden ausmacht.

Bis zum fünften, sechsten Lebensjahr ist ein Pferd nicht ausgewachsen — der Rücken ist noch nicht voll belastbar, die Wachstumsfugen schließen sich spät. Frühes Anreiten und schweres Training schaden lebenslang. Diese Jahre gehören dem Wachsen, der Bodenarbeit, dem Anlernen ohne Reiter und dem ruhigen Vertrautmachen mit Menschen, Sattel und Geräuschen.

Stall & Haltung

Pferde sind Lauf- und Fluchttiere — in freier Wildbahn legen sie täglich 30 bis 40 Kilometer zurück. Eine artgerechte Haltung muss dem irgendwie gerecht werden. Die häufigsten Formen heute: Boxenhaltung mit täglichem Auslauf, Offenstall mit ständigem Zugang zur Koppel, Aktiv- oder Bewegungsställe mit gezielten Anreizen zwischen Futter-, Wasser- und Liegeplätzen.

Was das Tierschutzgesetz fordert, ist klar: tägliche, mehrstündige Bewegung im Freien — Gerichte sprechen von drei bis vier Stunden als Untergrenze. Und ebenso wichtig: ein Pferd allein zu halten ist tierschutzwidrig. Pferde brauchen andere Pferde, sie putzen sich gegenseitig, sie kommunizieren, sie ruhen im Schutz der Herde. Wer einen Stallplatz sucht, schaut deshalb nicht zuerst auf die Box, sondern auf die Herde drumherum.

Fütterung

Die Basis ist Raufutter: Heu, Gras, Stroh. Der Pferdemagen ist im Verhältnis zur Körpergröße klein und auf nahezu ständige Aufnahme kleiner Mengen ausgelegt — Pferde sollten nie länger als vier Stunden ohne Futter stehen. Frisches Wasser muss jederzeit verfügbar sein, ein erwachsenes Pferd trinkt 30 bis 60 Liter am Tag.

Kraftfutter wie Hafer, Müsli oder Pellets bekommt das Pferd je nach Arbeitsleistung, Alter und Statur — wer ein Freizeit-Pferd mit zwei Stunden Bewegung am Tag wie ein Sportpferd füttert, schadet ihm. Mineralien und Salz gehören dazu, am besten als Leckstein im Stall. Was nicht in den Trog gehört: Brot in Mengen, Obst- und Gemüseabfälle in größeren Portionen, Grasschnitt vom Rasenmäher (Kolikgefahr durch Gärung). Bei Unsicherheit hilft das Gespräch mit Tierarzt oder Fütterungs- Beratung.

Gesundheit & Tierarzt

Drei Routine-Termine begleiten ein Pferdeleben. Der Tierarzt kommt ein- bis zweimal im Jahr für Impfungen (Tetanus, Influenza, ggf. weitere) und für die Entwurmung — bei vielen Beständen heute mit gezielter Kotprobe statt pauschal. Der Hufschmied oder Hufpfleger ist alle sechs bis acht Wochen da, ob das Pferd beschlagen ist oder barhuf läuft. Der Zahnarzt schaut ein- bis zweimal im Jahr ins Maul, weil Pferdezähne lebenslang nachschieben und sich ungleich abnutzen können.

Häufige Gesundheitsthemen sind die Kolik (akute Bauchschmerzen, bei Pferden immer Notfall), Hufrehe (eine schmerzhafte Erkrankung der Hufe), Atemwegsprobleme und im Alter Cushing (PPID), eine Hormonstörung. Wer sein Pferd kennt, merkt schnell wenn etwas nicht stimmt — Pferde sind weniger gut im Verbergen als Katzen. Apathie, Verweigern von Futter, häufiges Schwitzen ohne Anstrengung oder ungewohntes Wälzen sind Warnsignale.

Bewegung & Reiten

Reiten ist mehr als Sport — es ist Kommunikation mit einem Lebewesen, das stärker, schneller und gleichzeitig empfindsamer ist als wir. Wer reiten lernt, lernt nicht zuerst Kommandos, sondern Haltung, Atmung, innere Ruhe. Eine gute Reitstunde arbeitet in beide Richtungen: das Pferd wird gymnastiziert, der Mensch findet seinen Sitz.

Aber nicht jedes Pferd muss geritten werden, und nicht jeder Pferdetag ist ein Reittag. Bodenarbeit, Spaziergänge an der Hand, Longieren, Putzen, einfach in der Box stehen und sich Geschichten erzählen — auch das gehört dazu. Senior-Pferde, junge Pferde, Pferde mit Krankheiten leben oft monate- oder jahrelang ohne Sattel und haben trotzdem ein erfülltes Pferdeleben.

Senior-Pferd

Etwa ab dem zwanzigsten Lebensjahr gilt ein Pferd als Senior, manche Rassen früher, manche später. Die ersten Zeichen sind meist subtil: graue Haare an Stirn und Maul, eine etwas eingesunkene Rückenlinie, ein bisschen weniger Muskulatur, eine größere Vorsicht beim Galopp auf der Koppel.

Wichtig wird jetzt die Zahnkontrolle — Kauprobleme sind die häufigste Ursache für Gewichtsverlust im Alter. Bei Bedarf lässt sich die Fütterung anpassen, etwa durch eingeweichte Heucobs oder Senior-Müsli statt grobem Heu. Auch die Bewegung bleibt wichtig, aber sanfter und regelmäßiger statt selten und intensiv. Bei Erkrankungen wie Cushing oder Arthrose lässt sich heute viel medikamentös begleiten — die Lebensqualität alter Pferde ist deutlich besser als noch vor einer Generation.

Aktivitäten mit Kindern

Pferde gehören zu den prägenden Tieren der Kindheit — gerade weil die meisten Familien kein eigenes Pferd haben, sondern über Reitschulen, Ponyhöfe, Reiterferien oder Reitbeteiligungen in Kontakt kommen. Vor dem Reiten kommt das Putzen, das Führen, das Lernen von Pferdesprache: angelegte Ohren bedeuten Vorsicht, ein heftiges Hinterbein-Heben warnt, ein freundliches Schnauben sagt Hallo.

Erste Reitstunden finden im geschützten Rahmen statt, mit Reitlehrer, oft auf einem gemütlichen Pony oder Schulpferd. Reiterferien auf Bauernhöfen, Voltigieren in der Gruppe, geführte Ausritte — der Bauplan ist immer derselbe: zuerst lernen, mit dem Pferd umzugehen, dann auf seinem Rücken sitzen. Eine Regel gilt für alle Altersstufen: niemals hinter ein Pferd treten ohne sich vorher anzukündigen, und nie ein fremdes Pferd ohne Erlaubnis füttern.

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Mit anderen Tieren

Pferd plus Pferd ist nicht Wahl, sondern Pflicht — Pferde sind strikte Herdentiere, allein zu stehen macht sie krank. In einer Herde finden sich enge Freundschaften, oft lebenslang. Schon zu zweit sind sie deutlich entspannter als allein. Wenn ein Pferdebesitz aus räumlichen Gründen kein zweites Pferd erlaubt, ist ein Esel oder ein Maultier als Beistand-Tier eine anerkannte Alternative.

Hunde und Pferde können sich gut vertragen — vorausgesetzt der Hund kennt Pferde und das Pferd kennt Hunde. Auf der Koppel bleibt Vorsicht angebracht: ein erschrecktes Pferd kann ausschlagen und einen Hund schwer verletzen. Schafe, Ziegen, Hühner als Mit-Bewohner am Hof sind üblich und meistens harmlos. Kleintiere wie Kaninchen oder Vögel sind für Pferde neutral — keine Beuteinstinkt-Reize wie bei Hund oder Katze.

Quellen (6)