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Bildmotiv: Farbratte

Farbratte

Kaum ein Haustier hat einen so schlechten Ruf und so treue Fans wie die Farbratte. Dabei ist die zahme Ratte — abstammend von der Wanderratte — eines der klügsten, sozialsten und zutraulichsten Kleintiere überhaupt. Sie lernt ihren Namen, kommt auf Zuruf, löst Rätsel und baut zu ihren Menschen eine echte Bindung auf. Nur eines darf sie nie sein: allein. Ratten sind durch und durch Gruppentiere, die den Körperkontakt und das Gewusel ihrer Artgenossen zum Leben brauchen. Wer sich auf sie einlässt, entdeckt ein überraschend feinfühliges kleines Wesen.

Foto: AlexK100 via Wikimedia Commons, CC BY-SA 2.0

Stammdaten

  • Wissenschaftlicher Name Rattus norvegicus forma domestica
  • Familie Langschwanzmäuse (Muridae), Nagetiere
  • Größe (Körperlänge) 20-27 cm plus Schwanz
  • Gewicht 250-500 g (Böcke deutlich schwerer)
  • Lebenserwartung 2-3 Jahre
  • Sozialverhalten Gruppentier, niemals einzeln halten
  • Ernährung Allesfresser mit pflanzlichem Schwerpunkt
  • Aktivität dämmerungs- und nachtaktiv, tagsüber anpassungsfähig
  • Geschlechtsreife etwa ab der 5. Woche
  • Abstammung von der Wanderratte, seit dem 19. Jahrhundert gezähmt

Im Leben mit Farbratte

Jungtier & erste Wochen

Ratten sind schnell: Nach gut drei Wochen Tragzeit kommen sechs bis zwölf Junge zur Welt, die sich rasant entwickeln. Schon mit etwa fünf Wochen sind sie geschlechtsreif — deshalb müssen Männchen und Weibchen früh getrennt werden, sonst folgt die nächste Generation umgehend. Mit rund sechs Wochen dürfen die Kleinen in ihr neues Zuhause ziehen.

Wichtig: Eine junge Ratte zieht nie allein ein. Hol immer mindestens zwei Tiere, am besten aus demselben Wurf, damit sie von Anfang an Gesellschaft haben. In der neuen Umgebung sind Jungratten neugierig und lernbegierig. Sanftes, tägliches Handling in dieser Phase legt den Grundstein für eine zahme, zutrauliche Ratte, die später gerne auf die Schulter klettert.

Haltung & Käfig

Ratten gehören immer in die Gruppe — mindestens zu zweit, besser zu dritt oder mehr. Eine einzeln gehaltene Ratte verkümmert seelisch, egal wie viel Zeit der Mensch ihr schenkt. Wichtig ist, gleichgeschlechtliche Gruppen zu bilden oder Böcke kastrieren zu lassen, damit es keinen unkontrollierten Nachwuchs gibt.

Der Käfig sollte hoch sein und mehrere Ebenen bieten, denn Ratten klettern und balancieren für ihr Leben gern. Als grobe Orientierung gelten für zwei bis drei Tiere mindestens 100 x 50 x 100 cm, mehr ist immer besser. Vollgitterkäfige mit engem Gitterabstand, stabilen Etagen, Hängematten, Röhren, Seilen und Häuschen bieten Abwechslung. Die Einstreu am Boden, ein ruhiger Standort und tägliche frische Luft runden die artgerechte Unterbringung ab.

Ernährung

Ratten sind Allesfresser mit pflanzlichem Schwerpunkt. Grundlage ist eine hochwertige Rattenmischung aus Getreide, Sämereien und Saaten, ergänzt durch täglich etwas frisches Gemüse und kleine Mengen Obst. Tierisches Eiweiß brauchen Ratten ebenfalls in Maßen — ein Mehlwurm, etwas gekochtes Ei oder ein Stück Hühnchen decken den Bedarf.

Ratten neigen zu Übergewicht, deshalb ist die Menge entscheidend: lieber knapp und ausgewogen als üppig und fett. Zuckriges, stark Gesalzenes und Süßigkeiten sind tabu, ebenso einige Lebensmittel, die für Ratten giftig sind. Frisches Wasser muss jederzeit über eine Tränke oder einen standfesten Napf verfügbar sein. Kleine Futter-Suchspiele halten den klugen Kopf nebenbei auf Trab.

Gesundheit & Tierarzt

Eine gesunde Ratte ist neugierig, hat glänzendes Fell, klare Augen und atmet lautlos. Ratten sind allerdings anfällig für Atemwegserkrankungen — Niesen, Pfeifgeräusche oder schweres Atmen sind ernste Warnzeichen und gehören umgehend in die Tierarztpraxis. Auch Tumore treten häufig auf, besonders bei unkastrierten Weibchen; früh erkannt sind sie oft gut operabel.

Wie alle Nager haben Ratten lebenslang nachwachsende Schneidezähne, die durch Nagen abgerieben werden müssen. Ein rötlicher Sekretfilm um Augen und Nase (Porphyrin) ist ein typisches Stresssignal. Weil Ratten kurz leben und Krankheiten schnell verlaufen, lohnt sich von Anfang an eine Praxis mit Erfahrung bei kleinen Heimtieren. Regelmäßige Gewichtskontrolle hilft, Veränderungen früh zu bemerken.

Beschäftigung & Auslauf

Ratten sind hochintelligent und langweilen sich schnell — ohne Beschäftigung werden sie apathisch. Täglicher Freilauf in einem gesicherten Bereich ist deshalb Pflicht. Ratten lieben es, zu erkunden, zu klettern und Verstecke zu durchsuchen. Rattensicher heißt: keine Kabel, keine Löcher, keine giftigen Pflanzen und immer unter Aufsicht, denn Ratten nagen sich durch fast alles.

Ihre Klugheit lässt sich wunderbar fördern: Ratten lernen kleine Kunststücke, kommen auf ihren Namen, apportieren und lösen einfache Rätsel für ein Leckerli. Intelligenzspielzeug, wechselnde Klettergerüste, Buddelkisten und verstecktes Futter fordern sie geistig. Am schönsten ist für viele Ratten die Zeit mit ihrem Menschen — auf der Schulter sitzend die Umgebung erkunden gehört zu ihren Lieblingsdingen.

Aktivitäten mit Kindern

Ratten gelten als geduldige, zutrauliche Tiere und können für ältere Kinder wunderbare Begleiter sein — vorausgesetzt, die Kinder lernen ihren sanften Umgang. Weil Ratten dämmerungsaktiv sind, passen ihre wachen Stunden gut in den Nachmittag und frühen Abend. Für kleine Kinder sind sie zu zerbrechlich und zu schnell; hier braucht es immer die Begleitung Erwachsener.

Schön ist alles, was Ruhe und Klugheit verbindet: der Ratte kleine Tricks beibringen, ein Suchspiel mit versteckten Leckerlis bauen, ein neues Klettergerüst gestalten oder die Tiere beim Freilauf beobachten. Wichtig ist, dass Kinder verstehen: Eine Ratte will nicht festgehalten oder herumgetragen werden. Sie kommt von selbst, wenn sie Vertrauen hat — und genau dieses Vertrauen aufzubauen, macht Kindern besonders Freude.

rattekinderfamilie

Mit anderen Tieren

Ratten sind ausgesprochen soziale Tiere und brauchen unbedingt Artgenossen — kein Mensch und kein anderes Haustier kann eine zweite Ratte ersetzen. Am wohlsten fühlen sie sich in einer stabilen Gruppe gleichgeschlechtlicher Tiere oder in einer kastrierten Mischgruppe. Neue Ratten werden behutsam vergesellschaftet, damit die Rangordnung sich friedlich einspielt.

Gegenüber Hunden und Katzen bleibt die Ratte trotz ihrer Klugheit ein Beutetier. Selbst wenn ein Hund „ganz lieb" wirkt, gehören Ratten sicher getrennt gehalten — schon der Blick durchs Gitter kann Dauerstress auslösen. Andere Kleintierarten wie Kaninchen oder Meerschweinchen sind keine Gesellschaft, sondern haben völlig andere Bedürfnisse und werden getrennt gehalten.

Quellen (3)