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Bildmotiv: Wellensittich

Wellensittich

In seiner australischen Heimat zieht der Wellensittich in Schwärmen aus Hunderten Vögeln über das Grasland — immer dem Regen und den Grassamen hinterher. Seit 1840 der Naturforscher John Gould die ersten Tiere nach England brachte, hat der kleine Papagei die Welt erobert: Heute ist er der beliebteste Heimvogel Deutschlands. Geblieben ist ihm der Schwarm im Herzen — ein Wellensittich allein ist nur ein halber Wellensittich.

Foto: Richard.Fisher via Wikimedia Commons, CC BY 2.0

Stammdaten

  • Wissenschaftlicher Name Melopsittacus undulatus
  • Ordnung Papageien (Psittaciformes)
  • Größe (Körperlänge) ca. 18 cm (Zuchtformen bis 24 cm)
  • Gewicht 30-45 g (Standardwellensittiche bis 60 g)
  • Lebenserwartung 8-15 Jahre
  • Sozialverhalten Schwarmvogel — mindestens paarweise halten
  • Ernährung Körnerfresser mit Frischkost-Ergänzung
  • Herkunft Australien (Inland-Grasland), Heimvogel seit 1840
  • Geschlechtsreife ab etwa dem 4.-6. Monat
  • Besonderheit kann Geräusche und Wörter nachahmen

Im Leben mit Wellensittich

Jungvogel & Einzug

Junge Wellensittiche sollten beim Einzug mindestens neun bis zwölf Wochen alt und voll futterfest sein — sie fressen dann selbstständig Körner und haben die erste Jugendmauser vor sich. Erkennbar sind Jungvögel an der Wellenzeichnung bis zur Stirn und den noch ganz dunklen Knopfaugen ohne hellen Iris-Ring.

Die ersten Tage im neuen Zuhause bedeuten: Ruhe. Der Vogel bleibt zunächst in der Voliere, lernt Geräusche und Abläufe kennen und entscheidet selbst, wann er den ersten Ausflug wagt. Ruhig sprechen, langsame Bewegungen, Hirse durch die Gitterstäbe — so wird aus Vorsicht Zutrauen. Und weil kein Mensch einen Artgenossen ersetzt, zieht ein Wellensittich nie allein ein.

Haltung & Freiflug

Der Käfig ist beim Wellensittich nur das Basislager — gelebt wird im Flug. Täglicher Freiflug von mehreren Stunden ist keine Kür, sondern Pflicht: Kein handelsüblicher Käfig ersetzt echtes Fliegen. Die Voliere selbst sollte so groß wie möglich sein, breiter als hoch (Wellensittiche fliegen waagerecht, nicht senkrecht), mit Naturholz-Ästen in verschiedenen Stärken statt glatter Plastikstangen.

Das Freiflug-Zimmer braucht einen Sicherheits-Check: Fenster gesichert oder mit Vorhängen kenntlich gemacht, keine offenen Wasserbehälter, keine giftigen Zimmerpflanzen, keine gekippten Fenster (Klemmfalle), Dunstabzug und Herd aus. Wichtig zu wissen: Küchendämpfe von überhitzten Antihaft-Pfannen sind für Vögel hochgiftig — die Voliere gehört nie in die Küche.

Ernährung

Die Basis ist eine gute Körnermischung aus verschiedenen Hirsen und Grassamen — am Vorbild der australischen Heimat orientiert, ohne Bäckereiprodukte, Honig oder Zuckerzusätze. Dazu gehören täglich Frischkost (Vogelmiere, Golliwoog, geriebene Möhre, Gurke, Apfel in kleinen Mengen) und frisches Wasser.

Kolbenhirse ist das perfekte Zähm- und Beschäftigungsfutter, aber in Maßen: Wellensittiche neigen zu Übergewicht, und ein verfetteter Vogel fliegt nicht nur schlechter, er lebt auch kürzer. Kalk- oder Sepiaschale liefert Mineralstoffe, Magengrit hilft bei der Verdauung. Tabu sind Avocado, Schokolade, Salziges und alles Gewürzte.

Gesundheit & Tierarzt

Wellensittiche verbergen Krankheiten meisterhaft — im Schwarm wäre ein sichtbar kranker Vogel ein leichtes Ziel. Deshalb gilt: Ein Wellensittich, der aufgeplustert am Boden sitzt, ist bereits ernsthaft krank und gehört sofort zum vogelkundigen Tierarzt. Frühwarnzeichen sind feiner: veränderter Kot, angestrengte Atmung mit wippendem Schwanz, weniger Gezwitscher, längeres Aufplustern am Tag.

Häufige Erkrankungen sind Milbenbefall (borkige Beläge an Wachshaut und Beinen), Kropfentzündungen, Legenot bei Weibchen und im Alter Tumore. Regelmäßig kontrollieren: Krallen und Schnabel (wachsen nach), Gewicht (Federkleid kaschiert viel) und die Wachshaut über dem Schnabel. Eine gute Adresse für den Ernstfall sucht man sich, bevor man sie braucht — vogelkundige Tierärzte sind nicht flächendeckend zu finden.

Beschäftigung & Sprechen

Wellensittiche sind kleine Papageien — neugierig, verspielt und erstaunlich lernfähig. Beschäftigung entsteht am besten im Schwarm: gemeinsames Fliegen, gegenseitige Gefiederpflege, Zank um den besten Sitzplatz. Dazu kommen Naturäste zum Benagen, Schaukeln, versteckte Hirse, flache Badeschalen und frische Zweige mit Blättern.

Das berühmte Sprechen ist Nachahmung: Vor allem einzeln aufgezogene Hähne übernehmen Wörter und Melodien aus ihrer Umgebung. Ein Vogel im Schwarm spricht seltener — er unterhält sich lieber mit seinesgleichen. Das ist kein Verlust, sondern ein gutes Zeichen: Wer Wellensittich-Gezwitscher im Duett hört, hört zufriedene Vögel. Spiegel und Plastikvögel gehören übrigens nicht in die Voliere — sie machen einsame Vögel krank statt glücklich.

Aktivitäten mit Kindern

Wellensittiche sind Beobachtungs- und Trainingstiere, keine Schmusetiere: Streicheln am Körper bedeutet für die meisten Vögel Stress, und Greifen ist tabu — ein Vogelkörper ist zerbrechlich. Kinder können stattdessen lernen, wie man einen Vogel auf den Finger lockt: still sitzen, Hirse anbieten, warten. Der Moment, in dem der erste Wellensittich freiwillig landet, ist durch kein Spielzeug zu ersetzen.

Gemeinsame Projekte gibt es viele: Spielplätze aus Naturästen bauen, Vogelmiere auf der Fensterbank ziehen, die Vögel beim Baden beobachten, ein Schwarm-Tagebuch führen — wer sitzt neben wem, wer füttert wen? Füttern, Reinigung und Gesundheits-Blick bleiben Erwachsenen-Aufgaben, denn ein Wellensittich kann fünfzehn Jahre alt werden.

wellensittichkinderfamilie

Mit anderen Tieren

Die beste Gesellschaft für Wellensittiche sind Wellensittiche — mindestens ein Paar, besser eine kleine Gruppe mit gerader Geschlechterverteilung. Die Vergesellschaftung mit größeren Sittichen oder gar Papageien braucht Erfahrung und Platz; mit den friedlichen Nymphensittichen klappt das Nebeneinander in großen Volieren oft gut, ersetzt aber keinen arteigenen Partner.

Katzen sind für Vögel die größte Gefahr im Haushalt — schon eine kleine Kratzwunde ist durch Keime auf den Krallen lebensbedrohlich. Freiflug und Katze im selben Raum schließen sich aus, ohne Ausnahme. Auch Hunde bleiben beim Freiflug draußen vor der Tür. Wer mehrere Tierarten hält, plant feste, getrennte Zeiten und Räume — der Vogel merkt sich einen Beinahe-Angriff sein Leben lang.

Quellen (3)