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Bildmotiv: Zwergziege

Zwergziege

Neugierig, verspielt, erstaunlich klug — und mit einem Dickkopf gesegnet, der seinesgleichen sucht: Die Zwergziege hat sich vom westafrikanischen Nutztier zum beliebtesten Hobby-Hoftier Deutschlands gemausert. Wer ihr ein gutes Zuhause geben will, braucht mehr als einen Garten: eine Herde (mindestens zwei, besser drei Tiere), Kletterfelsen, einen trockenen Stall, ausbruchsichere Zäune — und die Bereitschaft, die Tiere ordnungsgemäß bei Veterinäramt und Tierseuchenkasse zu melden. Denn auch die kleinste Ziege ist rechtlich ein landwirtschaftliches Nutztier.

Foto: Quartl via Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

Stammdaten

  • Wissenschaftlicher Name Capra aegagrus hircus
  • Familie Hornträger (Bovidae), Säugetiere
  • Größe (Widerristhöhe) 40-50 cm
  • Gewicht 18-30 kg
  • Lebenserwartung 10-15 Jahre (Ausnahmen bis 18)
  • Sozialverhalten Herdentier mit fester Rangordnung
  • Ernährung Wiederkäuer: Heu, Gras, Laub, Äste und Kräuter
  • Domestizierung Hausziege vor ca. 10.000 Jahren aus der Bezoarziege; Zwergziege aus Westafrika
  • Geschlechtsreife sehr früh, ab etwa 4-5 Monaten
  • Besonderheit melde- und kennzeichnungspflichtig (Veterinäramt, Tierseuchenkasse, Ohrmarken)

Im Leben mit Zwergziege

Zicklein & erste Monate

Zwergziegen bringen nach rund fünf Monaten Tragzeit meist ein bis drei Zicklein zur Welt — und die stehen schon nach wenigen Stunden auf wackligen Beinen. In den ersten Lebenswochen lernen sie in der Herde alles Wichtige: Rangordnung, Klettern, das feine Ziegen-ABC aus Meckern, Stupsen und Drohgesten. Frühestens mit acht bis zehn Wochen, nach dem sicheren Übergang zum Wiederkäuen, sollten Zicklein von der Mutter getrennt werden.

Wichtig zu wissen: Zwergziegen werden extrem früh geschlechtsreif — Böckchen können schon mit vier Monaten decken, auch die eigene Mutter oder Schwester. Junge Böcke werden deshalb rechtzeitig getrennt oder kastriert. Für die Hobbyhaltung sind kastrierte Böcke und Ziegen (weibliche Tiere) die entspannteste Kombination; ein unkastrierter Bock riecht streng und gehört in erfahrene Hände.

Haltung, Stall & Recht

Eine Ziege allein ist keine Ziege: Zwergziegen sind Herdentiere und brauchen mindestens einen, besser zwei Artgenossen. Dazu kommt Platz — als grober Richtwert gelten mehrere hundert Quadratmeter strukturiertes Gelände für eine kleine Gruppe, mit Klettersteinen, Baumstämmen und Podesten, denn Klettern ist für Ziegen Grundbedürfnis, nicht Spielerei. Der Zaun muss hoch (mindestens 1,4 m) und stabil sein: Zwergziegen sind Ausbruchskünstlerinnen.

Der Stall schützt vor Regen, Wind und Hitze — Ziegen hassen Nässe. Er ist trocken eingestreut, zugluftfrei und bietet jedem Tier einen Liegeplatz, gern erhöht. Und dann ist da noch der Papierkram: Ziegenhaltung ist in Deutschland meldepflichtig, auch bei zwei Tieren im Garten. Die Tiere werden beim Veterinäramt und bei der Tierseuchenkasse des Bundeslands angemeldet, bekommen Ohrmarken zur Kennzeichnung, und ein Bestandsregister wird geführt. Das klingt nach viel, ist aber schnell erledigt — und Pflicht.

Ernährung

Ziegen sind Wiederkäuer und Feinschmecker zugleich: Anders als Schafe grasen sie nicht einfach ab, sondern knabbern wählerisch an Kräutern, Laub, Rinde und Zweigen. Die Basis der Fütterung ist trotzdem unspektakulär — gutes Heu, rund um die Uhr verfügbar, dazu Weidegang, frische Äste (ungespritzt, z. B. Obstbaum, Hasel, Weide) und ein Salz-/Mineralleckstein.

Kraftfutter brauchen Hobby-Zwergziegen kaum; zu viel davon macht dick und krank. Vorsicht auch mit Brot, Küchenresten und plötzlichen Futterwechseln — der empfindliche Pansen dankt Routine. Einige Pflanzen sind für Ziegen giftig, darunter Eibe, Thuja, Rhododendron, Buchsbaum und Goldregen: Vor dem Einzug gehört das Gehege gründlich auf Giftpflanzen kontrolliert. Frisches Wasser steht selbstverständlich immer bereit.

Gesundheit & Klauenpflege

Das A und O der Ziegengesundheit sind die Klauen: Sie wachsen ständig nach und werden auf weichem Boden nicht genug abgerieben. Alle sechs bis acht Wochen ist deshalb Klauenschneiden angesagt — das lernt man vom Tierarzt oder erfahrenen Haltern. Vernachlässigte Klauen führen zu Fehlstellungen und schmerzhafter Klauenfäule.

Dazu kommen regelmäßige Kotproben mit gezielter Entwurmung (Magen-Darm-Würmer sind das häufigste Ziegenproblem), ein Blick auf Fell, Augen und Fresslust sowie die mit dem Tierarzt abgestimmten Impfungen, etwa gegen Clostridien. Eine gesunde Zwergziege ist neugierig, frisst mit Appetit und käut ausgiebig wieder — steht ein Tier abseits, frisst nicht oder wirkt aufgebläht, ist das ein Notfall für den Tierarzt.

Klettern & Beschäftigung

Zwergziegen sind geborene Bergsteigerinnen — in ihrer Heimat klettern Ziegen auf Felsen und sogar auf Bäume. Ein gutes Gehege ist deshalb eine Erlebnislandschaft: große Steine, Baumstämme, stabile Podeste und Wippen, eine Wurzel zum Schubbern. Alles, was erhöht ist, wird erobert; von oben behält die Chefin der Herde gern den Überblick.

Auch der Kopf will gefüttert werden: Ziegen gelten als ausgesprochen intelligent, lernen ihre Namen, öffnen einfache Riegel (!) und lassen sich mit Futterlob kleine Übungen beibringen. Aufgehängte Äste zum Zupfen, Futterbälle oder ein neuer Kletterstamm bringen Abwechslung. Langeweile dagegen macht erfinderisch — meist zulasten des Zauns.

Aktivitäten mit Kindern

Zwergziegen und Kinder sind oft ein Traumpaar: Die Tiere sind neugierig, verspielt und werden bei ruhigem Umgang sehr zutraulich. Kinder können beim Füttern und Misten helfen, Äste sammeln, striegeln und mit etwas Anleitung sogar kleine Spaziergänge mit halfterführigen Ziegen unternehmen. Viele Höfe bieten Ziegenwanderungen an — ein schönes Erlebnis zum Kennenlernen vor der eigenen Haltung.

Ein paar Regeln gehören dazu: nicht rennen und schreien im Gehege, Futter nur mit flacher Hand und nach Absprache, und Vorsicht bei behornten Tieren — auch eine freundliche Ziege setzt im Spiel mal den Kopf ein. Kleinkinder haben im Ziegengehege nur an der Hand eines Erwachsenen etwas zu suchen. Wer das beachtet, bekommt Mitbewohnerinnen, die Kinderherzen im Sturm erobern.

ziegekinderfamilie

Mit anderen Tieren

Der beste Partner für eine Zwergziege ist — eine andere Zwergziege. Ersatzgesellschaft durch Schafe, Ponys oder Esel funktioniert nur bedingt: Die Arten sprechen unterschiedliche Sprachen, und eine Ziege ohne Artgenossen bleibt einsam, auch auf einer vollen Weide. Als Ergänzung zu einer bestehenden Ziegengruppe vertragen sich Schafe und Esel dagegen meist gut.

Vorsicht ist beim Futter geboten: Mineralfutter für Schafe und Ziegen unterscheidet sich (Stichwort Kupfer), gemeinsame Tröge brauchen Planung. Hunde sollten Ziegen nur ruhig und angeleint begegnen — für die Herde ist ein rennender Hund ein Raubtier, und umgekehrt kann eine wehrhafte Ziege einen Hund verletzen. Hühner und Ziegen teilen sich einen Auslauf dagegen oft völlig unproblematisch.

Quellen (3)